Home Page Image
Themenübersicht


Bekämpfung der Asiatischen Tigermücke in Weil am Rhein

Die Asiatische Tigermücke ist eine ursprünglich tropische Stechmückenart, welche durch Ausbildung von kälteunempfindlichen Eiern die kalten Wintermonate in Deutschland übersteht. Trotz dieser guten Überwinterungsfähigkeit befindet sich die Art in Deutschland am Rande ihrer nördlichsten Ausbreitungsmöglichkeit. So braucht die Art nach einer Einschleppung, für einen raschen Aufbau größerer und stabiler Ansiedlungen, ausreichend hohe Sommertemperaturen.

Die außergewöhnlich warmen Sommermonate der letzten Jahre, verursacht durch die voranschreitende globale Klimaerwärmung, hat zu mehreren Ansiedelungen der Tigermücke innerhalb der Oberrheinebene geführt. Um eine dauerhafte Ansiedelung der Asiatischen Tigermücke bei uns zu verhindern, ist es zwingend notwendig, diese noch lokal beschränkten Ansiedelungen rasch und vollständig auszulöschen. Hat sich die Art einmal auf ausgedehnte Bereiche innerhalb der Oberrheinebene ausgebreitet, würden selbst extrem kalte Winter- und/oder Sommermonate nicht zu einem natürlichen Auslöschen der eigentlich wärmeliebenden Art führen. Bei ausgedehnter Ansiedelung würden immer einige Teile der Tigermücken-Population innerhalb von sogenannten "Wärmeinseln" die ungünstigen Witterungsbedingungen überleben. Die überlebenden Restbestände würden in wärmeren Phasen wieder zu einem erneuten Anwachsen der Population und weiteren Ausbreitung führen.

So wurden unmittelbar nach ihrer Entdeckung die Ansiedelungen der Asiatischen Tigermücke innerhalb der Oberrheinebene durch das Institut für Dipterologie (IfD) bekämpft. Am 30.7.2019 wurde ein Mitarbeiter des IfD von einem aufmerksamen Bürger per E-Mail und Foto über das Vorkommen von Asiatischen Tigermücken im Bereich der Riedlistraße im Stadtteil Friedlingen informiert. Er nutzte dabei eine Webseite, die im Zuge des Tigermückenmonitorings im Landkreis Lörrach eingerichtet worden war, um die Bevölkerung mit Informationen zu versorgen und gleichzeitig Meldungen über verdächtige Stechmücken zu erhalten. Nach Bestätigung des Verdachts, wurden das zuständige Gesundheitsamt in Lörrach und die Stadtverwaltung in Weil am Rhein informiert. Nach nur wenigen Tagen wurde das IfD beauftragt erste Voruntersuchungen hinsichtlich der Ausbreitung der Asiatischen Tigermücke im Stadtteil Friedlingen durchzuführen.

Das Monitoring zur Abschätzung des Verbreitungsgebietes erfolgte zwischen dem 10.8. und 23.8.2019. Dabei wurden in Abstimmung mit den Grundstücksbesitzern potenzielle Brutstätten auf Larvenbesatz überprüft, was nach den starken Regenfällen der Vortage und dem zu erwartenden Schlupf der Larven in den Wasserbehältern sehr erfolgreich war. Zusätzlich wurden auch Anflugkontrollen an typischen Ruhezonen der Stechmücken durchgeführt. Während dieser Zeit wurden dem IfD von aufmerksamen Bürgern weitere Funde von Asiatischen Tigermücken an zwei verschiedenen Standorten in Weil am Rhein mitgeteilt.

Der eine Nachweis erfolgte in einem Garten in der Lustgartenstraße, der zweite Fund stammte aus der Kernstadt, im Bereich Reblistraße. In beiden Fällen gibt es direkte Verbindungen zu Grundstücken, die im Verbreitungsgebiet der Asiatischen Tigermücke in Friedlingen liegen. Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass diese Exemplare durch passive Verschleppung aus Friedlingen in die anderen Stadtteile gelangt sind. Tigermücken sind derart aggressiv, dass sie uns folgen, weil sie uns stechen wollen. So gelangen sie in unsere Fahrzeuge und werden dann als „blinde Passagiere“ an einen anderen Ort gebracht. Wenn die Bedingungen an diesen neuen Standorten günstig sind, können die Tiere ggf. neue Populationen aufbauen.

Auch an diesen, neu entdeckten Standorten wurde das Umfeld der Fundstelle untersucht. An beiden Stellen konnten, in begrenztem Umfang, Larven und/oder adulte Tiere nachgewiesen werden. Insgesamt konnten bei dem im August durchgeführten Monitoring ca. 180 Grundstücke auf Vorkommen der Asiatischen Tigermücke kontrolliert werden. Im Stadtteil Friedlingen wird das Verbreitungsgebiet auf mindestens 50 ha geschätzt. Anhand der großflächigen Verbreitung ist davon auszugehen, dass die ersten Tigermücken nicht erst in diesem Jahr eingeschleppt worden sind. Aufgrund der unmittelbaren Nähe zur schweizerischen - und französischen Grenze und der bekannten Population im Grenzgebiet unserer beiden Nachbarländer gibt es einen intensiven Austausch mit den ausländischen Kollegen.

Um die Anzahl der Überwinterungseier und damit das Startpotenzial für die erste Generation im Frühjahr 2020 möglichst gering zu halten, hat sich das IfD, in Absprache mit dem Gesundheitsamt und der Stadtverwaltung, dazu entschieden im September 2019 einen Informationsflyer und gleichzeitig B.t.i.-Tabletten an alle betroffenen Haushalte im bekannten Verbreitungsgebiet zu verteilen. Die B.t.i.-Tabletten sollen unmittelbar nach Erhalt entsprechend der Dosierung in alle Behältnisse des Gartens und der Balkone gegeben werden, die stehendes Wasser beinhalten (z.B. Regentonnen, Gießkannen, Eimer, Hofgullys, Topfuntersetzer, Blumenkästen, Reifen, Sonnenschirmfußständer).
Dabei ist eine der beigelegten B.t.i.-Tabletten ausreichend für ein Wasservolumen von ca. 50 Litern. Bei größeren Wasserkörpern ist die Anzahl der verabreichten Tabletten entsprechend zu erhöhen (z. B. 4 Tabletten bei einer 200 Liter fassenden Regentonne) Bei kleineren Wassermengen (z. B. Hofgully etc.) genügt die Gabe einer halben Tablette. Die Tabletten besitzen eine Bruchkerbe und sind daher recht gut in zwei Hälften teilbar. Die Tatsache, dass sich die Tabletten nicht sprudelnd auflösen, sondern über einen längeren Zeitraum zerfallen, ist darin begründet, dass die Konzentration der Säure, die für den Sprudeleffekt verantwortlich ist, möglichst gering gehalten ist. Dies ist aber kein Zeichen für eine mangelhafte Qualität der Tabletten.
Belebte Gartenteiche mit Fischen, Molch-, Libellenlarven etc. sind keine Tigermücken-Brutstätten.

Die bisherigen Erfahrungen mit der Bekämpfung der Tigermücke zeigen, dass eine vollständige Auslöschung nur möglich ist, wenn die Bekämpfungsteams vor Ort durch die betroffenen Anwohner ausreichend unterstützt werden.

Daher möchten wir Sie bitten, uns bei unseren Bekämpfungsmaßnahmen zu unterstützen.

 

 

Regentonnen
 
Regentonnen